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  Rezension (in: Damals 6/2010, Seite 47)

Auf Elefantenrücken durch Siam:
Europäische Reiseberichte über das alte Thailand

   

Markus Bötefür

 
   

Reihe Gelbe Erde 4
OSTASIEN Verlag
Paperback (14,00 x 20,50 cm), 128 Seiten.
2009. € 19,80
ISBN: 978-3-940527-38-7 (9783940527387)
ISBN-10: 3-940527-38-6 (3940527386)

Vertrieb: CHINA Buchservice / Bestellen

 
   

Die vorliegende Auswahl westlicher Reiseberichte aus und über Siam umfasst eine Zeitspanne von annähernd 350 Jahren. Bei den Texten der insgesamt 18 vorgestellten Autoren handelt es sich sowohl um private Zeugnisse (Briefe und Reisetagebücher) als auch um offizielle Dokumente, wie etwa Gesandtschaftsberichte, die im Auftrage von Königen und Regierungen verfasst wurden. Die Texte sind chronologisch nach den Daten des Besuchs in Siam geordnet. So entsteht ein Porträt Siams, das nicht nur den Wandel der Wahrnehmung bei den Reisenden widerspiegelt, sondern auch die geschichtlichen Veränderungen in diesem Land transparent macht. Insgesamt 54 – überwiegend zeitgenössische – Bilder illustrieren die ausgewählten Texte.

 
   

Inhalt:

Einleitung

Vorwort

    Siam und die europäischen Seemächte im 17. Jahrhundert
    Constantin Phaulkon – Ein griechischer Minister in siamesischen Diensten
    Der katholisch-persische Missionswettlauf
    Das verschlossene Königreich
    Siam öffnet sich wieder
    Reiseberichte des 20. Jahrhunderts

Berichte von europäischen Reisenden aus und über Siam

Jacques de Coutre (1577–1640)
    Die Bestattung eines königlichen Elefanten

Jeremias van Vliet (1602–1663)
    Ein kupferroter Elefant

Nicolas Gervaise (ca. 1662–1739)
    Die Kleidung der Siamesen

Alexandre de Chaumont (1649–1710)
    Heirat und Scheidung
    Die königliche Prinzessin

Claude de Forbin (1656–1733)
    Über Elefanten

Engelbert Kaempfer (1651–1716)
    Eine Flussfahrt auf dem Menam

Alexander Hamilton (ca. 1680 – ca. 1730)
    Der König von Siam

John Crawfurd (1783–1868)
    Beim Gouverneur von Pak Nam

George Finlayson (ca. 1790-1823)
    Am Ufer des Menam

James Low (1791–1852)
    Zeitvertreib der Siamesen

Henri Mouhot (1826–1861)
    Begegnung mit einem weißen Elefanten

Fritz zu Eulenburg (1815–1881)
    Heiligabend in Bangkok

Gustav Spieß (1802–1875)
    Das Sozialsystem der Siamesen

Adolf Bastian
    Die Mönche von Bangkok

Peter Anthony Thompson
    Eine öffentliche Hinrichtung

John Hagenbeck (1868–1940)
    Bangkoker Impressionen

Karl Döhring (1879–1941)
    Der Charakter der Siamesen

Bernhard Kellermann (1879–1951)
    Eine Schlangenfarm
    Sterbende Künste

Anhang

    Abbildungsnachweis
    Literaturverzeichnis

 
   

 
   

Rezension (in: Damals: Das Magazin für Geschichte 6/2010, Seite 47)

Im Land der weißen Elefanten

Vom alten Siam, dessen Geschichte sich im modernen Thailand fortsetzt, weiß man in Deutschland nur wenig. Seine besondere Bedeutung besteht darin, dass es als einziges südostasiatisches Land seine politische Selbständigkeit gegenüber den konkurrierenden europäischen Kolonialmächten bewahren konnte.
Die kleine Auswahl europäischer Reiseberichte (alle in deutscher Übersetzung), die Markus Bötefür publiziert hat, bietet faszinierende Einblicke in eine festgefügte, freilich langsam untergehende Welt, deren letzte Reste durch die modernen Touristenströme vollends zu verschwinden drohen. Zusammengestellt und kundig eingeleitet hat die durchweg faszinierende und empfehlenswerte Quellensammlung mit Bötefür ein guter Kenner des Landes, der mehrere Jahre an einer thailändischen Universität tätig war.
Die portugiesischen, niederländischen, französischen, englischen und deutschen Berichterstatter, die sich vom 16. bis ins 20. Jahrhundert mit ganz unterschiedlichen Interessen nach Siam/Thailand aufmachten, beschreiben ein verwunschenes Land, das den Europäern oftmals fremd blieb. Beherrscht von Königen, religiös tief geprägt vom Buddhismus und mit einer Bevölkerung, die sich in ihren kulturellen Orientierungen und in ihren Lebensformen grundsätzlich von den Europäern unterschied, bildete das Land für die Besucher aus dem fernen Westen ein Reiseziel, dessen Fremdheit und Exotik zu vielfältigen Kommentaren herausforderten.
Im Fokus des Interesses standen die gottgleiche Stellung der autokratisch regierenden und angeblich mit magischen Fähigkeiten begabten Könige, der gegen die islamischen und christlichen Missionierungsversuche resistente Buddhismus, nicht weniger die Frisur- und Bekleidungsmoden der freundlichen Bewohner, immer wieder aber auch die auffällige Verehrung von „weißen" Elefanten, in denen man Reinkarnationen verstorbener Könige und Prinzen erblickte.
Die alte Hauptstadt Ayutthaya erregte als kosmopolitisches Zentrum Südostasiens und „Venedig des Ostens" ebenso die Aufmerksamkeit der westlichen Besucher wie das Leben in der neuen Hauptstadt Thonburi (Bangkok). Besonderes Staunen riefen die Wett- und Spielfreude und die buddhistisch motivierte Tierfreundlichkeit der Siamesen hervor. Der in Diensten des Königshauses stehende deutsche Architekt Karl Döhring (1879-1941) registrierte als ernsthaftes Modernisierungshindernis ausdrücklich die religiös begründete Ablehnung des westlichen Fortschrittsideals und Konkurrenzprinzips durch die Bevölkerung, die „einigen Hang zum Müßiggang" zeige.
Die Schwärmerei des preußischen Diplomaten Friedrich Graf zu Eulenburg (1815-1881) für die am Königshof spielenden „allerreizendsten Jungen" mit ihren „prächtigen Oberkörperchen" und die Bemerkung John Hagenbecks (1866-1940), die Siamesinnen seien „durchaus nicht übermäßig prüde", mögen dem Leser wie ein frühes Wetterleuchten moderner Entsetzlichkeiten vorkommen.

Prof. Dr. Paul Münch